Fossil bis auf die Knochen: Wie Katherina Reiche uns sehenden Auges ins Eiszeit-Fiasko manövriert#

Es gibt Personalentscheidungen in der deutschen Spitzenpolitik, bei denen man unwillkürlich nach der versteckten Kamera sucht. Eine ehemalige Spitzenlobbyistin und Ex-Vorstandschefin der E.ON-Tochter Westenergie an die Schalthebel der Energiepolitik zu setzen, ist in etwa so, als würde man einen notorischen Brandstifter zum Leiter der städtischen Berufsfeuerwehr befördern – mit der ausdrücklichen Erlaubnis, brennbare Flüssigkeiten nach eigenem Ermessen zu verteilen.

gasspeicher

Auftritt: Katherina Reiche. Eine Frau, die das Kunststück fertigbringt, wirtschaftliche Kurzsichtigkeit, klimapolitischen Sabotagegeist und schiere Lobby-Hörigkeit in einer derart toxischen Melange zu bündeln, dass einem der Atem stockt.

Der fossile Kniefall: Zurück in die Gas-Abhängigkeit#

Wer geglaubt hatte, das kollektive Trauma explodierender Energiepreise und die bittere Lehre aus der Abhängigkeit von ausländischen Gaslieferungen hätten zu einem dauerhaften Lerneffekt geführt, hat die Rechnung ohne Frau Reiche gemacht. Mit der Eleganz einer Abrissbirne planiert sie jeden Ansatz von Weitsicht: Bis zu 20 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken sollen aus dem Boden gestampft werden – natürlich ohne lästige, verbindliche Auflagen für einen zeitnahen Umstieg auf grünen Wasserstoff. Warum auch zukunftssicher planen, wenn man die alten fossilen Seilschaften so wunderbar weiterfüttern kann?

Passend dazu wird der Umstieg auf moderne Wärmeversorgung mit Wonne zerredet und torpediert, damit der deutsche Michel bitteschön noch möglichst lange an seiner geliebten Erdgas-Therme kleben bleibt. Und um der Realsatire die Krone aufzusetzen: Als es darum ging, den Boom moderner Großbatteriespeicher abzuwürgen, ließ man sich im Ministerium ganz ungeniert gleich die passenden Argumentationshilfen von den Energiekonzernen zuliefern. Batteriespeicher? Zukunftstechnologien? Dezentrale Sicherheit? Bloß nicht! Das könnte ja am Ende das Geschäftsmodell der alten Konzerne bedrohen, deren Chefetagen man erst kürzlich gegen den Ministersessel getauscht hat.

Wirtschaftspolitischer Blindflug mit Ansage#

Dass diese Politik für das Klima eine absolute Bankrotterklärung ist, versteht sich von selbst. Während die Agora Energiewende trocken vorrechnet, wie Deutschland seine Klimaziele meilenweit reißt, zuckt man im Ministerium nur mit den Achseln. Doch das eigentliche Meisterstück dieser Agenda ist die schiere ökonomische Selbstaufgabe.

Frau Reiche kettet den Industriestandort Deutschland sehenden Auges an einen fossilen Energieträger, der auf den Weltmärkten Spielball von Spekulanten und geopolitischen Krisen ist. Statt auf die mit Abstand billigste Energiequelle – den heimischen Strom aus erneuerbaren Energien mitsamt moderner Speicherinfrastruktur – zu setzen, bindet man die heimische Wirtschaft an teure Gasimporte. Das ist keine Wirtschaftspolitik, das ist eine konzertierte Arbeitsplatzvernichtung unter dem Deckmantel vermeintlicher Versorgungssicherheit.

Frost-Roulette bei halbleeren Speichern#

Wie grandios diese „Versorgungssicherheit“ in der harten Realität aussieht, offenbart ein Blick auf die meteorologische Lage und die deutschen Gasspeicher. Meteorologen und die Weltorganisation für Meteorologie schlagen wegen eines massiven Super El Niño längst Alarm: Während der Frühwinter noch mild daherplätschern mag, droht durch den drohenden Zusammenbruch des Polarwirbels im Januar und Februar eine arktische Kältewelle über Mitteleuropa hereinzubrechen.

Und wie bereitet sich eine vorausschauende Energiepolitik auf einen potenziellen Jahrhundertwinter vor? Man lässt die nationalen Gasspeicher schlichtweg auf Sparflamme vor sich hin dümpeln. Mit Füllständen von gerade einmal knapp 54 Prozent hinkt Deutschland dem Vorjahr um fast 20 Prozentpunkte hinterher und belegt im europäischen Vergleich einen blamablen Platz auf den hinteren Rängen. Der gigantische Speicher in Rehden – einst die Lebensversicherung für kalte Tage – vegetiert bei desaströsen Füllständen im einstelligen Prozentbereich herum.

Das perfekte Rezept für den Kälteschock#

Fassen wir diese Meisterleistung an strategischer Weitsicht zusammen: Wir machen uns abhängiger von Erdgas denn je, blockieren moderne Alternativen, ignorieren die Warnungen der Klimaforscher und gehen mit besorgniserregend leeren Vorratskammern in einen Winter, an dessen Horizont arktische Kaltluftfronten lauern.

Katherina Reiche liefert die Blaupause für ein energiepolitisches Desaster mit Ansage. Eine Politik, die ausschließlich den Quartalsbilanzen der fossilen Verbündeten dient, während der Bürger und die Industrie das unkalkulierbare Risiko tragen. Wenn uns im Februar die Heizungen ausgehen oder die Gaspreise durch die Decke schießen, wissen wir immerhin, an wessen Haustür wir klopfen müssen, um uns aufzuwärmen.

> Hinweis: Visualisierungen wurden aufgrund eigener Unfähigkeit mit KI erstellt.