Gute Nacht, Mainzelmännchen: Wie das ZDF den Faschismus ins Kinderzimmer sendet#

Es gibt diese Momente in der deutschen Medienlandschaft, in denen man sich unweigerlich fragt, ob in den Chefredaktionen eigentlich kollektiv am Klebstoff geschnüffelt wird. Das Zweite Deutsche Fernsehen hat jüngst einen redaktionellen Spagat hingelegt, bei dem man sich nicht nur die moralischen Bänder gerissen, sondern gleich das komplette journalistische Rückgrat gebrochen hat. Die Protagonisten dieses absurden Theaterstücks: Ein antifaschistischer Musiker, ein rechtsextremer Politiker und die wehrlose Zielgruppe der acht- bis zwölfjährigen Kinder.

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Cancel Culture für Anfänger: Danger Dan muss draußen bleiben#

Beginnen wir mit dem eigentlich harmlosen Teil der Geschichte, dem späten Abendprogramm. Dort sollte in der etablierten Satiresendung „Die Anstalt“ der Musiker Danger Dan seinen neuesten Song „Keine Angst“ präsentieren, ein Stück, das sich explizit mit dem Widerstand gegen den Rechtsextremismus befasst. Doch kurz vor knapp bekam die Führungsetage des Mainzer Senders offensichtlich kalte Füße. Man witterte in den antifaschistischen Zeilen einen vermeintlichen Aufruf zur Gewalt und lud den Künstler mitsamt seinem Pianisten Igor Levit kurzerhand wieder aus.

Die Kunstfreiheit hat beim gebührenfinanzierten Rundfunk offenbar genau dann Feierabend, wenn es darum geht, sich inhaltlich klar und unmissverständlich gegen rechts zu positionieren. Danger Dan selbst nannte den Vorgang völlig zu Recht einen skandalösen Eingriff in die Kunstfreiheit und warf dem ZDF-Intendanten vor, antifaschistische Lieder schlichtweg zu zensieren. Man muss sich diese Absurdität auf der Zunge zergehen lassen: Ein Lied gegen Nazis nach 22 Uhr an mündige Erwachsene zu senden, ist dem Sender zu heikel. Das könnte ja die besorgten Bürger beunruhigen.

AfD-Propaganda zwischen Kindernachrichten und Zeichentrick#

Doch wie sieht es im öffentlich-rechtlichen Tagesprogramm aus, wenn die wirklich verletzliche Zielgruppe ahnungslos vor den Bildschirmen sitzt? Auftritt: Ulrich Siegmund. Dieser Herr fungiert als Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt. Zur historischen und faktischen Einordnung: Dieser spezifische Landesverband der AfD wird vom Verfassungsschutz ganz offiziell und mit Brief und Siegel als gesichert rechtsextremistisch klassifiziert. Und was macht das ZDF? Es reicht eben dieser Galionsfigur der gesichert rechtsextremen Szene im Rahmen der Kindernachrichten „logo!“ völlig ungeniert und ohne kritische Einordnung das Mikrofon.

Während man also erwachsenen Zuschauern ein Lied über Zivilcourage erspart, darf Herr Siegmund vor Hunderttausenden von Grundschülern seine völkischen Fieberträume ausbreiten. Seine unwidersprochene Kernbotschaft an die Kinder: Eure Freunde mit Migrationshintergrund sollten besser in separate Schulklassen segregiert werden, denn die fahren ja ohnehin perspektivisch „wieder nach Hause“.

Die geografische Insolvenz der völkischen Ideologie#

Lassen wir diesen geistigen Dünnschiss für eine Sekunde sacken. Wohin genau sollen diese Kinder denn „nach Hause“ fahren? Nach Herne-Wanne? Nach Castrop-Rauxel? Nach Berlin-Neukölln? Die absolute Mehrheit dieser Kinder ist hier in Deutschland geboren. Sie sprechen Deutsch, sie haben einen deutschen Pass, und ihr verdammtes „Zuhause“ ist exakt der Schulhof, auf dem sie mit ihren Freunden spielen.

Diesen Kindern in einem vermeintlich pädagogischen Format ins Gesicht zu spucken und ihnen zu erklären, sie seien hier nur geduldete Gäste auf Abruf, ist nicht nur faktisch hanebüchen. Es ist perfide, bösartig und verstößt in seiner unverhohlenen Forderung nach ethnischer Segregation an Grundschulen frontal gegen das Diskriminierungsverbot unseres Grundgesetzes.

Der kaputte Kompass der Öffentlich-Rechtlichen#

Fassen wir dieses journalistische Totalversagen also zusammen: Ein Künstler, der sich in der Tradition der demokratischen Aufklärung gegen den Faschismus stellt, wird aus dem Erwachsenenprogramm zensiert, weil seine Worte angeblich zu "gefährlich" sein könnten. Der Spitzenpolitiker eines gesichert rechtsextremen Landesverbandes hingegen darf zur besten Sendezeit Grundschülern erklären, dass schulische Apartheid eigentlich eine ziemlich feine Sache wäre.

Wer antifaschistische Kunst auslädt und gleichzeitig den braunen Teppich direkt ins Kinderzimmer ausrollt, der hat seinen moralischen Kompass nicht nur verloren, sondern öffentlichkeitswirksam zerschmettert. Wer solche redaktionellen Entscheidungen trifft, braucht keine Feinde der Demokratie mehr – der erledigt den Abbau der wehrhaften Gesellschaft ganz bequem von der eigenen Sendezentrale in Mainz aus.

> Hinweis: Visualisierungen wurden aufgrund eigener Unfähigkeit mit KI erstellt.