Der Brüllaffe der Lügenpresse: Wie man mit Schreien und Daueraufträgen den Journalismus "rettet"#
Willkommen im goldenen Zeitalter des „Gonzo-Journalismus“ – oder zumindest dem, was ein ehemaliger 14-jähriger „Truther“ darunter versteht. Auftritt: Matthäus Westfal, im Internet besser bekannt unter dem selbstverliehenen Kampfbegriff „Aktivist Mann“. Während echte Journalisten recherchieren, Fakten prüfen und Quellen verifizieren, hat Herr Westfal ein weitaus effizienteres Geschäftsmodell für sich entdeckt: Er nimmt eine Kamera, stellt sich neben AfD-Politiker wie Ulrich Siegmund und hält nach dem Filmen verlässlich die Hand auf.
Spendenaufruf statt Recherche#
Das Konzept ist so simpel wie lukrativ. Man zieht als digitaler Begleitschutz der AfD durch Sachsen-Anhalt und filmt jeden, der nicht schnell genug weglaufen kann. Unter jedem Telegram-Post prangt dann völlig uneigennützig die IBAN und der PayPal-Link mit dem diskreten Hinweis: „Schenkung zur freien Verfügung“. Wer braucht schon eine Festanstellung, wenn man sich den politischen Kulturkampf von der treuen Anhängerschaft per Dauerauftrag finanzieren lassen kann?
Und weil so ein Kampf um die „Wahrheit“ anstrengend ist, braucht man Methoden. Die bevorzugte Technik des Aktivisten? Die völlige Missachtung der physischen Schmerzgrenze. Wenn echte Reporter von Spiegel TV auftauchen, wird nicht argumentiert, sondern lautstark eskaliert und geschoben. Es ist die rhetorische Kapitulation vor der eigenen inhaltlichen Leere: Wer nichts zu sagen hat, muss eben lauter brüllen als alle anderen.
Munkeln im Dunkeln: Von Körpergeruch und klebriger Nähe#
Doch das öffentliche Profil des schreienden Aktivisten wird in der Szene von einer ganz eigenen Gerüchteküche flankiert. Während er auf YouTube den furchtlosen Alpha-Reporter mimt, ranken sich um seine Person hartnäckige, wenig schmeichelhafte Narrative, die sein Verhaltensprofil abrunden.
Die olfaktorische Kampfzone: Beobachter und unfreiwillige Gesprächspartner berichten regelmäßig von einer körperlichen Präsenz, die nicht nur durch Lautstärke, sondern auch durch eine akute olfaktorische Belästigung auffällt. Wer sich Journalisten physisch aufdrängt, sollte vielleicht vorher das Konzept von Zahnpasta und Seife evaluieren. Mundgeruch als politisches Statement? Ein interessanter, wenn auch unappetitlicher Ansatz.
Die Causa Distanzlosigkeit: Ebenso unangenehm sind die zirkulierenden Berichte über sein grenzüberschreitendes Verhalten gegenüber jungen Frauen. Ob auf Veranstaltungen oder im direkten Kontakt – die Grenze zwischen „Aktivismus“ und schlichter Übergriffigkeit scheint in seinem persönlichen Koordinatensystem fließend zu sein.
Auch wenn diese Vorwürfe juristisch schwer greifbar sind, zeichnen sie das stimmige Bild eines Mannes, der nicht nur politisch, sondern auch sozial massive Defizite in der Distanzwahrung aufweist.
Fazit: Das Geschäftsmodell der Empörung#
Am Ende des Tages ist „Aktivist Mann“ keine intellektuelle Gefahr, sondern ein Symptom. Ein Symptom einer Aufmerksamkeitsökonomie, in der man wegen Volksverhetzung zu einer 4.200 Euro Strafe verurteilt wird und dies als Gütesiegel für seine treuen Follower verbucht. Er ist der fleischgewordene Kommentarspalten-Troll, der den Sprung in die physische Welt geschafft hat.
Es ist kein Journalismus. Es ist ein peinliches Live-Action-Roleplay für Spendenabonnements, bei dem die einzige Wahrheit lautet: Schreien ersetzt keine Argumente – und Deo wäre gelegentlich eine exzellente Investition.