CO2-neutrales Auspuff-Tuning: Willkommen bei den SDCE#

Mein Nachbar von drüben hatte zwar noch nie eine Freundin, aber dafür hat er jetzt ein 20.000-Euro-Rennrad. Seit der feierlichen Übergabe dieses zweirädrigen Heiligtums steckt er knietief im Tour-de-France-LARP-Rabbithole und geht der gesamten Umgebung kolossal auf den Zeiger. Wir sprechen hier nicht von einem normalen Wochenend-Hobbysportler, sondern von der absoluten Speerspitze der SDCE (Small Dick Cyclist Extremists).

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Jeder Ausflug beginnt drüben mit einem festen Ritual: Einzwängen in aerodynamisch bedenkliche Lycra-Anzüge, das Aufsetzen einer vollverspiegelten Brille, die sein halbes Gesicht frisst, und gottlose Selbstgespräche in aerodynamischer Haltung. Er tut so, als würde er gerade mit letzter Kraft den Mont Ventoux bezwingen, obwohl er eigentlich nur die asphaltierte Landstraße zum nächsten Supermarkt abfährt.

Das wahre Drama beginnt allerdings erst bei der Rückkehr. Das Ende jeder seiner „Tour de Lulu“-Etappen kündigt sich nicht etwa durch ein sanftes Surren an, sondern durch ein brachiales, mechanisches Maschinengewehrfeuer. Wer nämlich – wie Bro in seiner eigenen Wahrnehmung – mit der geballten Kraft von zwei Alphas in die Pedale tritt, der würde gewöhnliche Materialien wie Titan oder Carbon mit einem einzigen Tritt zu feinem Staub pulverisieren. Deswegen, und natürlich nur deswegen, braucht der Meister zwingend eine Freilaufnabe aus massivem Edelstahl.

Dieser 130-Dezibel-Rücklauf ist das CO2-neutrale Äquivalent zum durchgebohrten GTI-Auspuff eines 18-Jährigen, der freitagsabends auf dem Dorf-Parkplatz imponieren will. Es ist der akustische Schrei nach Liebe eines Mannes, der selbst auf Tinder noch vom Algorithmus ignoriert wird.

Und weil 130 Dezibel unter freiem Himmel ja kaum mehr sind als ein sanftes Blätterrascheln im Abendwind, reicht das als Applaus natürlich nicht. Wenn die heldenhafte Etappe um 21:45 Uhr endet, schiebt er sein auf 1,3 Kilo heruntergehungertes Carbon-Raumschiff naturgemäß so weit und so ausgiebig wie möglich durch den stark hallenden Hausgang drüben in seinem Haus. Er könnte das leichte Ding problemlos mit dem kleinen Finger bis in die Wohnung tragen, aber nein: Es wird gerollt. Zentimeter für Zentimeter. Ein reinigender akustischer Triumphzug über die Fliesen. Die Welt darf schließlich von seiner heutigen Heldentat nicht verschont bleiben. Seht her, ihr sterblichen Normalos, ich habe geschwitzt und überlebt! Kniet nieder vor meiner akustischen Dominanz!

Können wir bitte aufhören, mit Fahrrädern so unfassbar peinlich zu sein? Mein eigenes Rad hat ein Vierzigstel gekostet, schnurrt beim Rollen leise wie ein Kätzchen und – Überraschung – sein Körperchen bekommt selbst meinen Freilauf nicht kaputt getreten. Selbst wenn er all seine imaginären Wattzahlen auf einmal in den Antrieb pumpt, würden meine Billig-Komponenten sein Hühnerbrüstchen-Drehmoment müde weglächeln.

Müssen Männer ihre kleinen anatomischen Defizite wirklich derart lautstark als Ersatz-Sportauspuff in die Welt hinaustragen? Ist das der finale Evolutionsschritt der urbanen Männlichkeit?

Bro soll radeln, alles cool. Radeln ist gesund, es hält fit und senkt den Blutdruck. Aber es geht verdammt nochmal auch, ohne der kompletten Postleitzahl mitzuteilen, was für ein unfassbar krasser Hengst man auf dem Sattel ist. Wer weiß: Wenn er seine Umwelt nicht mehr taub macht, hört ihn vielleicht auch mal eine Frau, wenn er „Hallo“ sagt.

Danke für nichts.

> Hinweis: Visualisierungen wurden aufgrund eigener Unfähigkeit mit KI erstellt.