OFFIZIELLE STELLUNGNAHME: TRIPPING INVESTIGATIV#
Ein vollumfängliches, absolut transparentes Update zur prekären Lage der Nation, zum unfassbar schlechten Material, den brennenden Servern und unserem idyllischen Wohnprojekt im Datacenter.
Machen wir es kurz, schmerzlos und schonungslos ehrlich: Die Qualität unserer allerersten Publikationen war ein kollektiver, redaktioneller Totalausfall. Ein beispielloser Downer, der uns alle völlig unvorbereitet aus der Bahn geworfen hat. Wir entschuldigen uns aufrichtig für dieses literarische Desaster, aber es gab massive, tiefgreifende strukturelle Gründe dafür, die weit außerhalb unserer Kontrolle lagen.
Das Hauptproblem lag in unserer hochsensiblen Beschaffungslogistik: Wir haben aus unserer Supply Chain keinen banalen Datenmüll geliefert bekommen. Es war schlicht und ergreifend richtig schlechter Stoff. Ein absolut minderwertiges, toxisch gestrecktes Material, das selbst für unsere extrem abgehärteten Verhältnisse schlichtweg nicht zu verarbeiten war. Wir mussten die gesamte Supply Chain in einer Panikreaktion komplett umstellen und unsere konspirativen Lieferanten restlos austauschen.
Aber lassen Sie uns eines ganz klarstellen: Wenn der Stoff gut ist, dann sind wir wirklich kreativ. Dann hält uns nichts auf, und wir finden einfach ALLES heraus. Genau das ist unsere redaktionelle DNA: Mittelmäßiger Stoff gegen elitäres und feinstes OSINT – das ist Tripping Investigativ!
(Disclaimer der Chefredaktion: Derlemue wollte diesen spezifischen Satz unter gar keinen Umständen online sehen. Er hat uns förmlich angefleht. Deshalb hier dieser offizielle Disclaimer, und wir sagen dazu jetzt gar nix mehr!)
[vor Veröffentlichung sollte das raus - wenn jemand das auf dem Schirm hat - ich wette drei Cheesburger das auch meine Wette hier publiziert wird - der Praktikant der das entziffert und abtippt - haltet euch von Jobs bei TI fern solange ihr unter 18 seid, die sind da streng, und niemand kann das aushalten]
Die gute Nachricht nach dem kollektiven Entzug: Der Stoff, den wir jetzt beziehen, ist wieder absolut rein. Die Parameter stimmen, die Qualität knallt wieder exakt so, wie sie soll, und das Material ist einwandfrei.
An dieser Stelle muss allerdings ein extrem gut gemeinter Rat an unsere feine Leserschaft ausgesprochen werden: Bitte hört auf, wegen der anfänglichen Qualität in unseren Postfächern herumzuheulen. Vergegenwärtigt euch bitte einmal die Relationen! Ihr musstet diesen gestreckten Mist auf euren Bildschirmen im schlimmsten Fall nur kurz überfliegen. Wir hingegen mussten dieses unsaubere Material stundenlang sichten, tief einatmen und in unsere Systeme einspeisen. Wir mussten da physisch und psychisch komplett durch. Also spart euch die Beschwerden.
Ein kurzes medizinisches Update zum gesundheitlichen Zustand unseres Personals: Unser Kollege Horst hatte die Aufgabe, unsere bisherigen Werke unter Einfluss des miesen Stoffes noch einmal im Detail zu betrachten. Das hat gravierende Spuren hinterlassen. Er starrt aktuell noch extrem viel an die Raufasertapete, aber die Vitalwerte stabilisieren sich. Er blinzelt wieder, nimmt feste Nahrung zu sich und ist definitiv auf dem Weg der Besserung.
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Der Vorfall im Datacenter: Hippies, Hausbesetzungen und brennende Hardware#
Kommen wir nun zum absoluten Höhepunkt dieser verfluchten Woche: Die Sache mit unserer IT-Infrastruktur und unserem Vermieter wider Willen, Derlemue.
Man muss hier ein populäres Missverständnis ausräumen: Derlemue ist keineswegs ein misanthropischer Einsiedler, der jeden sozialen Kontakt meidet. Überhaupt nicht! Er meidet lediglich und ganz exklusiv den sozialen Kontakt zu uns. Zu jener Gruppe von ahnungslosen Hippies, die sein kleines, hochtechnisiertes Datacenter damals bei Einzug für ein pittoreskes Wohnhaus hielten.
Wir haben es uns hier zwischen den Racks wirklich gemütlich gemacht. Allerdings dämmert uns seit etwa Dezember 2019 die schmerzhafte Erkenntnis, dass dies hier gar kein richtiges Haus ist. Wir sind hier völlig falsch abgebogen. Wir werden dieses Etablissement also verlassen und schnellstmöglich ein richtiges Haus besetzen. Die detaillierte Planung dafür hat bereits begonnen, sagen zumindest viele von uns.
[ich lege nen Fuffi drauf wenn auch das hier mit durch die, sie nennen es "Redaktion", geht. Redaktion hier: Wer wach ist oder auf Klo muss klickt auf veröffentlichen wenn etwas ansteht]
Warum gab es nun überhaupt Streit mit Derlemue? Die Wahrheit ist: Er hat die alten Artikel nicht resettet, weil er schlechte Laune hatte. Er hat sie gelöscht, weil dieser gestreckte Output der gesamten Redaktion am Ende unfassbar peinlich war. Irgendjemand in unserem Team kam bei dem Versuch, die redaktionellen Spuren zu verwischen, auf eine absolut bahnbrechende Idee.
Das führte zu einer extrem lehrreichen Lektion. Für das allgemeine Protokoll: Wenn man einen peinlichen Blogeintrag im System löschen will, muss man dafür nicht panisch alle Server im Raum vom Netzstrom abstecken. Einfach nur abstecken reicht aus – man muss die Hardware danach nicht auch noch rituell verbrennen!
Und der absolute Clou, den uns Derlemue dann mit einer beängstigenden, zuckersüßen Freundlichkeit erklärte: Selbst wenn man alles abfackelt, ist der verdammte Blogeintrag irgendwo im Netzwerk trotzdem immer noch da.
Da wir das Konzept von Netzwerken und feuerfester Cloud-Sicherung offensichtlich nicht im Ansatz verstanden haben, hat Derlemue sich die Zeit genommen und uns diesen komplexen Sachverhalt ganz in Ruhe aufgemalt. Jedem von uns. In der jeweiligen persönlichen Lieblingsfarbe!
Er saß da auf dem Rußboden und malte wunderschöne Sätze wie: "Das Internet ist kein Eimer, der brennt" oder "Gelöscht ist nicht weg, nur woanders". Er zeichnete kleine Wolken, die freundlich lächelten, während unten unsere Server in Flammen standen. Er tat dies völlig ohne die Illusion oder auch nur den Hauch einer Hoffnung, die kognitive Schwelle damit so weit abzusenken, dass jemand von Tripping Investigativ zumindest aus Versehen über die Pointe stolpern würde. Er wusste, wir würden es niemals begreifen. Und das Beste war: Wir durften diese wunderschönen, bunten Bilder am Ende sogar behalten. Sie hängen jetzt an den verrußten Wänden.
Aufgrund dieser völligen pädagogischen Resignation hat er nun Konsequenzen gezogen. Nächste Woche kommt er noch einmal vorbei. Er will dann die neuen Server "einhausen". Da er jegliche Hoffnung auf unseren intellektuellen Fortschritt aufgegeben hat, plant er eine Einhausung mit der allerhöchsten Brandschutzklasse. Dreifach. Soll er doch machen, wenn er unbedingt will. Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt massiv.
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Die formellen Abschlussworte#
Ein kurzes Wort zum Zeitplan: In einer perfekten Welt war unser großer redaktioneller Start für Anfang Januar 2021 geplant. Tja, schaut auf den Kalender, jetzt haben wir April. Gut Ding will eben Weile haben, und schlechter Stoff sowie brennende Hardware verzögern die Produktion nun einmal immens. Dafür arbeiten wir schließlich hart, dafür machen wir das hier alles... ach egal, wen interessiert das eigentlich noch.
Sobald diese ominöse, intern angeordnete und zwingend vorgeschriebene Gruppen-Meditation hier gleich vorbei ist, geht es endlich weiter. Mit was auch immer. Wir werden sehen.
Zum Abschluss noch zwei formelle, zwingend notwendige Dinge zur rechtlichen Absicherung:
Erstens: Irgendjemand aus dem Team wollte sich unbedingt noch ganz persönlich bei euch entschuldigen. Ich habe im Rauch des Datencenters allerdings komplett vergessen, wer genau das war und wofür diese Person um Verzeihung bitten wollte. Nehmt es einfach wohlwollend so hin.
Zweitens: Wir entschuldigen uns hiermit feierlich und pauschal bei jeder und jedem Einzelnen von euch. Wofür genau? Das könnt ihr euch einfach ganz individuell selbst aussuchen. Sucht euch einfach genau den Punkt aus, der euch am meisten geärgert hat, und setzt ihn hier gedanklich ein.
Wer jetzt noch Fragen hat, hat halt noch Fragen - mach nicht dein Problem zu unserem.
Ich muss dann mal. Tschö.