Toxische Positivität und rheinische Mafia-Fantasien: Das Glücksgefühle-Fiasko#
Wer sein bis zur absoluten Schmerzgrenze kommerzialisiertes Musik-Event allen Ernstes „Glücksgefühlefestival“ tauft, hat die Kontrolle über sein Leben vermutlich ohnehin schon irgendwo zwischen dem dritten Döner-Franchise und der neuesten Energy-Drink-Abfüllung verloren.
Doch was sich das verhaltensoriginelle Veranstalter-Duo aus Ballermann-Dompteur Markus Krampe und Ex-Kicker Lukas Podolski jüngst bei der eiskalten Ausladung der 80er-Jahre-Legenden Alphaville geleistet hat, überschreitet die Grenze zur Fremdscham-Satire meilenweit. Es ist der ultimative Beweis dafür, was passiert, wenn zu viel Geld auf ein fatales Vakuum an Stil, Anstand und Selbstreflexion trifft.
Die Hybris des Bierzelt-Direktors#
Man muss sich diese bodenlose Arroganz erst einmal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Auf der einen Seite haben wir Alphaville, eine Band, die mit Hymnen wie „Forever Young“ und „Big in Japan“ globale Musikgeschichte geschrieben hat. Auf der anderen Seite steht Markus Krampe, ein Event-Manager, dessen kultureller Horizont traditionell exakt dort endet, wo der Sangria-Eimer im Mega-Park beginnt. Dass ausgerechnet diese Koryphäe der anspruchslosen Ballermann-Unterhaltung sich anmaßt, einer etablierten Synth-Pop-Legende ein patziges Auftrittsverbot zu erteilen und sich öffentlich als unantastbarer Sonnenkönig des Festivalgeländes aufzuspielen, entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik. Es ist in etwa so, als würde der Filialleiter eines drittklassigen Frittier-Stands dem Michelin-Komitee hochkant die Tür weisen, weil man sich in seiner Autorität gekränkt fühlt.
Prinz Poldis pathetische Paten-Nummer#
Den absoluten, nicht mehr zu unterbietenden Tiefpunkt der Peinlichkeit liefert in dieser Scharade jedoch Lukas Podolski. Der Mann, der jahrzehntelang als ewiges, dauergrinsendes Maskottchen der deutschen Fußballnationalmannschaft durch die Gazetten tingelte, versucht sich nun plötzlich als knallharter Mafia-Pate der Eventbranche. Mit der intellektuellen Finesse eines fallengelassenen Medizinballs polterte Podolski in die Mikrofone, er könne „auch ganz anders“. Ein Satz, bei dem einem vor lauter Angst fast der überteuerte Kebab aus der Hand fällt.
Was genau ist denn dieses ominöse „ganz anders“? Wird er die Bandmitglieder von Alphaville zwingen, drei Stunden lang Werbespots für sein Döner-Imperium zu drehen? Droht eine unlimitierte Zwangsverkostung seines pappsüßen Ice-Tees? Oder wird der rheinische Straßen-Pate einfach beleidigt einen Fußball in den VIP-Bereich dreschen? Diese künstliche, lächerliche Gangster-Attitüde eines Multimillionärs, der sich in der Presse aufführt wie ein bockiger Türsteher vor einer Dorf-Diskothek, entlarvt die gesamte Heuchelei dieser Veranstaltung.
Wer ein Festival unter dem klebrigen Deckmantel von „Glücksgefühlen“ und toxischer „Good Vibes“-Positivität vermarktet, aber im Hintergrund wie ein pubertierender Schulhof-Bully agiert, demaskiert sich selbst. Podolski und Krampe haben eindrucksvoll bewiesen, dass man sich mit noch so vielen verkauften Tickets und Sponsoren-Millionen eben weder Klasse noch Souveränität kaufen kann. Wenn die leere Phrase „Ich kann auch ganz anders“ die maximale rhetorische Eskalationsstufe eines ehemaligen Weltmeisters ist, dann kann man Alphaville eigentlich nur herzlich dazu gratulieren, nicht Teil dieser drittklassigen Ego-Show geworden zu sein.