Content-Goldesel auf Sandbank: Die gnadenlose Vermarktung eines Sterbenden#

Ein Buckelwal verirrt sich in die Ostsee. Wahrscheinlich suchte das Tier in seinen letzten Stunden lediglich einen ruhigen Ort, um abzutreten. Einfach die Augen zumachen und im flachen Wasser friedlich aus dem biologischen Kreislauf ausscheiden. Leider hat der Meeressäuger bei seiner Reiseplanung die Rechnung ohne das hiesige Empörungs- und Sensationskartell gemacht.

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Anstatt dem Tier seinen letzten Frieden zu gewähren, rückt umgehend die fischsemmelkauende Küsten-Fraktion an. Unter dem unantastbaren Deckmantel der akuten Tierliebe wird der moribunde Wal belagert, gestupst und so lange drangsaliert, bis der pure Stress ihm auch noch den letzten Funken Lebensenergie aussaugt. Palliativpflege auf Norddeutsch: Hauptsache, man hat mal mit dem Stock draufgedrückt, um zu sehen, ob es noch zuckt.

Währenddessen schalten die Sendeanstalten in den medialen Dauermodus. Die Weltkugel könnte in Flammen stehen, Regierungen stürzen und die Wirtschaft kollabieren – völlig irrelevant. Für die nächsten 72 Stunden gibt es nur noch ein einziges Thema. Jeder Lokalreporter mutiert über Nacht zum Meeresbiologen und sendet mit todernster Miene live von der Wasserkante, als ginge es um die bevorstehende Mondlandung.

Aber was wäre so ein maritimes Drama ohne die professionellen Trittbrettfahrer der Betroffenheitsindustrie? NGOs wie Greenpeace und Sea Shepherd feuern aus dem klimatisierten Home-Office ihre emotionalen Pressemitteilungen ab und sonnen sich via Remote-Zuschaltung im Glanz der Tragödie.

Die wahre Meisterleistung liefert jedoch die Speerspitze des Influencer-Tierschutzes. Robert Marc Lehmann steht in Gummistiefeln an vorderster Front. Die Tränen der Rührung und der schwellende Heldenstolz sind bereits fest in die Dramaturgie eingeplant – aber bitte erst, wenn die Kameradrohne wieder sicher gelandet ist und das 4K-Material unbeschadet auf der Speicherkarte liegt. Ohne epische B-Roll-Luftaufnahmen bringt schließlich auch der traurigste Todeskampf keine Klicks auf YouTube. Prioritäten müssen sein.

Das grandiose Finale dieses humanitären Totalausfalls folgt, sobald das Tier durch unsere aufdringliche Fürsorge endgültig am Ende ist. Dann wird nämlich pragmatisch durchgegriffen: Ein dickes Seil um die Schwanzflosse binden und das fast leblose Problem lässig über die Seegrenze nach Dänemark schleppen. Aus den Augen, aus dem Sinn, Nachbar zuständig.

Das ist die brillante Realität des globalen, kapitalistischen Tierschutzes. Ein sterbendes Lebewesen wird zur reinen Marketing-Kulisse degradiert. Wahre Empathie bringt eben keine Reichweite, aber ein gut inszenierter Kadaver ist Gold wert.

> Hinweis: Visualisierungen wurden aufgrund eigener Unfähigkeit mit KI erstellt.