Hokuspokus auf Staatskosten: Bayerns teures Rendezvous mit der Homöopathie#
Willkommen im Freistaat der unbegrenzten Möglichkeiten – zumindest, wenn es darum geht, wissenschaftliche Fakten durch politisches Bauchgefühl zu ersetzen. In München hat man beschlossen, dass physikalische Gesetze und medizinische Evidenz eher so etwas wie unverbindliche Handlungsempfehlungen sind, besonders wenn Landtagswahlen vor der Tür stehen oder die Wählerbasis gerne Zuckerkügelchen lutscht.
Es geht um das Reizthema Homöopathie. Während der Rest der wissenschaftlichen Welt sich einig ist, dass über den Placebo-Effekt hinaus keine Wirkung nachweisbar ist, klammert man sich in der bayerischen Staatsregierung tapfer an die Verdünnung. CSU und Freie Wähler haben im Landtag eine geplante Studie zur Homöopathie verteidigt. Das Argument? "Keine Denkverbote".
Wenn Denken zum Verbot wird#
Man muss sich das Schmunzeln verkneifen. "Keine Denkverbote" klingt nach Innovation, nach Querdenken im besten Sinne, nach Galileo Galilei. In diesem Kontext bedeutet es aber eher: "Wir ignorieren die Stapel an existierenden Studien, die belegen, dass da nichts ist, und geben lieber Steuergelder aus, um noch einmal nachzuschauen, ob vielleicht doch Elfenstaub drin ist."
Es ist die intellektuelle Kapitulation vor der lauten Minderheit der Globuli-Anhänger. Anstatt den Bürgern reinen Wein (oder in diesem Fall: reines Wasser) einzuschenken und zu erklären, wie moderne Medizin funktioniert, potanziert man lieber die politische Gefälligkeit.
Teures Nichts#
Wir reden hier nicht über Peanuts. Studien kosten Geld. Geld, das im bayerischen Gesundheitssystem an allen Ecken und Enden fehlt. Pflegenotstand? Marode Krankenhäuser? Ach was, lasst uns lieber erforschen, ob Wasser ein Gedächtnis hat. Wenn die bayerische Staatsregierung so viel Energie in die Gewinnung von Pflegekräften stecken würde wie in die Verteidigung von Placebos, wäre Bayern vermutlich das gesündeste Fleckchen Erde.
Die Argumentation der Befürworter zielt oft auf die "Therapievielfalt" ab. Pluralismus ist super – in der Politik, in der Kunst, in der Gesellschaft. Aber in der Medizin? Wollen wir wirklich Pluralismus zwischen "wirkt nachweislich" und "wirkt vielleicht, wenn man fest daran glaubt"? Würden wir eine Brücke bauen lassen von einem Architekten, der sagt: "Statik ist nur eine Meinung, ich baue nach Gefühl"? Wohl kaum.
Der bayerische Sonderweg#
Es ist ein weiteres Kapitel des bayerischen Sonderwegs. Man geriert sich gerne als High-Tech-Standort, als Silicon Valley der Alpen, mit Laptop und Lederhose. Aber wenn es um die Gesundheit geht, scheint manch einer in der Staatskanzlei lieber zum Wünschelrutengänger zu mutieren.
"Keine Denkverbote" – wenn man diesen Satz konsequent zu Ende denkt, müsste der Freistaat demnächst Studien zur Wirksamkeit von Aluhüten gegen 5G-Strahlung finanzieren oder erforschen lassen, ob Bielefeld wirklich existiert. Denn hey, wir wollen ja niemandes Glauben diskriminieren.
Fazit: Ein teures Placebo für die Wählerseele#
Diese Verteidigung der Homöopathie-Studie ist nichts anderes als ein teures Placebo für eine bestimmte Wählerklientel. Es ist Politik nach dem Motto: "Wir wissen zwar, dass es nichts bringt, aber es beruhigt die Leute, und sie wählen uns hoffentlich wieder."
Das ist nicht nur wissenschaftsfeindlich, es ist auch verantwortungslos gegenüber dem Steuerzahler. Echte Probleme löst man nicht mit potenzierten Zuckerkügelchen, sondern mit evidenzbasierter Politik. Aber vielleicht sollten wir das Problem einfach auspendeln. Wer weiß, was dabei herauskommt.